Projektbeschreibung 2018-02-15T15:27:27+00:00

Projektbeschreibung

Der grundlegenden Frage, wie es denn vor Hunderten von Jahren bei der damaligen Technik überhaupt möglich war, so etwas Monumentales wie eine Burg zu errichten, geht ein Team engagierter Forscherinnen und Forscher, Techniker und Praktiker, in Friesach seit 2009 nach. Im Süden der Stadt wird eine mittelalterliche Burg gebaut. Das bedeutet, dass dabei ausschließlich mittelalterliche Handwerksmethoden und -geräte zum Einsatz kommen. Moderne Baustoffe oder gar Maschinen gibt es auf der Baustelle nicht. Holz für die Gerüste wird im umliegenden Wald geschlägert, einzig Lärchenholz muss zugeliefert werden. Steine werden aus dem Umland angeliefert und vor Ort gebrochen.

Auch im Mittelalter wurde sehr darauf geachtet, dass in der Nähe des Bauplatzes ausreichend Baumaterial vorhanden war – Stein, Holz, Sand, Kies, Lehm, auch Wasser, waren wichtig. Durch die Errichtung der Burg in Friesach soll Geschichte, Vergangenheit rekonstruiert werden. Es geht aber nicht nur um das Bauen einer Burg, sondern im Besonderen um das Bauen als solches, um das Bewahren traditioneller Handwerkstechniken, um die Wiederentdeckung bzw. Weitergabe alten Wissens, wodurch ein Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft erfolgt. Tradition und Innovation werden vernetzt. Langfristige Überlegungen stehen im Vordergrund, die Bauzeit wird mit ca. 35 – 40 Jahren Generationen übergreifend sein.

Den Burgerrichtern ist der Begriff der Authentizität immens wichtig. Sie wollen die Handwerkstechniken und das Wissen aus der Vergangenheit erforschen und bewahren. Gerade die Werte der produktiven Arbeit, der sinnvollen Tätigkeit, des Wissens und der Wissensvermittlung, sind ihnen bedeutend. Im Zentrum der Überlegungen steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Der Burgbau in Friesach ist wie für die Vorgänger im Mittelalter Mittel zum Zweck und Symbol zugleich. Die wesentlichen Anliegen sind Erinnerung, Erforschung, Bewahrung und Vermittlung.

Das Burgbauprojekt Friesach steht für Langfristigkeit und Nachhaltigkeit und verfolgt mehrere Ziele, wobei jedes für sich wiederum positive Synergien nach sich ziehen sollte. Und natürlich gehen vom Projekt vielfältige wirtschaftliche Impulse aus: Mit der Unterstützung des AMS Kärnten, der Kärntner Landesregierung und der Stadtgemeinde Friesach wie auch der Europäischen Union finden zirka  30 Menschen Beschäftigung in einer strukturschwachen Region. Dadurch werden neue Arbeitsplätze geschaffen und erwerbslose Menschen finden zumindest für acht Monate eine sinnstiftende Tätigkeit. Das ist ein sehr wesentlicher Aspekt des Burgbauprojekts. Durch ihre Beschäftigung werden die Handwerker zu Spezialisten, die im Bereich von Restaurierung und Denkmalpflege sich Fachwissen aneignen. Denkmalpflege ist mittlerweile ein wichtiges Arbeitsfeld, dessen Bedeutung zunimmt. Durch das Nachvollziehen mittelalterlicher Bautechniken erweitert sich das Wissen über alte Gebäude enorm. Eine Qualifizierung von Arbeitskräften wird durch das Projekt ermöglicht und dadurch eine Erhöhung des beruflichen Selbstbewusstseins und der Identität der Arbeiter und Arbeiterinnen als Handwerker bzw. Handwerkerinnen. Damit ist der wichtige Bereich der „Tradition“ angesprochen. Es erfolgt eine Wiederentdeckung und Bewahrung wenigstens eines Teiles des schriftlosen, einst von Generation zu Generation mündlich weiter gegebenen kulturellen Gedächtnisses, das ohne die Tradition der Praxis Großteils verloren gegangen ist.